Bettagsfest, 18. September 2010

Mit gelebtem Glauben der Stadt dienen
Wetzikon, das Zentrum des Zürcher Oberlandes, zählt gut 22‘000 Einwohner und ist die sechst-grösste Stadt im Kanton Zürich. Hier haben sich sieben christliche Gemeinden zusammenge-schlossen, um eine Vision zu verwirklichen: einen Anlass für die Stadt, der zum Ausdruck bringt, dass sie gemeinsam für den christlichen Glauben und die biblischen Werte des Zusam-menlebens einstehen. So entstand das Bettagsfest 2010.

Sternmarsch ins Zentrum
Ein sichtbares Zeichen für den gemeinsamen Aufbruch setzte der Sternmarsch ins Zentrum der Stadt von drei verschiedenen Startpunkten aus. Bevor es los ging, liessen die Teilnehmer Ballone mit einem Bibelvers für den Finder steigen. Um 11.30 Uhr setzte sich der Tross von jeweils 50 Personen in Bewegung. Fast zeitgleich trafen die drei Gruppen am Festplatz ein, wo sie sich bald im bunten Treiben verloren. Zwanzig Marktstände von christlichen Organisationen, die sich fast alle um Benachteiligte kümmern, säumten die Fussgängerwege. In der Fest-wirtschaft herrschte um die Mittagszeit reger Betrieb. Verschiedene Bands und Showgroups heizten den Besuchern ein. Lorenz Schwarz begeisterte die Ländlerfans mit dem Psalm «Lobe den Herrn, meine Seele» und seinem «Jünger-Jodel». Auch die Kinder kamen mit Hüpfburg, aufblasbarer Riesenrutschbahn, Schminken und Rodeo-Reiten auf ihre Kosten.

Erstes gemeinsames Fest
Um 17 Uhr trafen sich an die 700 Personen zum feierlichen Abschluss des Bettagsfestes in der Reformierten Kirche. Der reformierte Pfarrer Karl Heuberger betonte, es sei das erste Mal in der Geschichte von Wetzikon, dass sieben Gemeinden ein Fest organisierten: «Was uns verbindet, ist stärker als das, was uns trennt.» Die sieben Gemeinden hätten einen gemeinsamen Auftrag in einer Gesellschaft, in der Beliebigkeit und Unverbindlichkeit zunähmen, denn unsere christlichen Werte wiesen auf unsere soziale Verantwortung hin.

Falsche Wege verlassen
Ursula Schmitter vom ICF las den ersten Teil des Wetziker Bettagsmandats 2010, einer gemein-samen Erklärung der sieben Gemeinden: «‹Denk mal.› Wir rufen die Bevölkerung auf, dem Gott der Bibel zu vertrauen. Profitsucht, Lüge, eheliche Untreue, Zerfall der Familien führen zu familiären und sozialen Nöten. Verlässlichkeit, Treue und Gerechtigkeit sind Grundpfeiler für ein geordnetes Zusammenleben. Ein Umdenken ist angesagt.» Mit dem Gospelsong «Think about», der von der Kantorin Annette Stopp eigens für das Bettagsfest komponiert wurde, nahm der ad-hoc-Chor unter ihrer Leitung die Thematik auf. Den zweiten Teil des Bettagsmandats las Johanna Hirzel von der katholischen Kirche: «‹Dank mal.› Christliche Kirchen sollen Hoffnung vermitteln und Brücken bauen. Mit Gottes Hilfe kann sich eine Gesellschaft erneuern. Starke nehmen Rücksicht auf Schwache, Vermögende unterstützen Arme, Gesunde helfen Kranken. Wir danken Gott, dass durch ihn Veränderung möglich ist.»

Geschenk an die Stadt
Der Gemeindepräsident von Wetzikon, Urs J. Fischer, stellte in seinem Grusswort fest, in politi-schen Versammlungen würden oftmals die Unterschiede betont statt die Gemeinsamkeiten. In dieser Hinsicht seien die Kirchen ein Vorbild für die Stadt. Fischer bedankte sich bei den Zuhö-renden für die «Stadtputzete» vom 4. September. Mit dieser Aktion hatten 200 Christen ein Zei-chen der Solidarität als Geschenk an die Stadt gesetzt. Friedel Zwahlen von der der Freien Christengemeinde versicherte dem Präsidenten, dass die Christen die Stadt auch geistlich gerei-nigt hätten, und überreichte ihm eine Leuchtweste sowie ein Poster der motivierten Reinigungs-crew für sein Souvenirzimmer.

Jung, diplomiert, arbeitslos
In seinem Referat zum Thema «Gelebte christliche Werte verändern die Gesellschaft» malte Hans-Peter Lang, Gründer der Stiftung Wendepunkt, dem Publikum den Zustand unserer Gesellschaft vor Augen: «Was sind Gründe für das Prädikat ‹jung, diplomiert, arbeitslos›? Mangelnde Sozial- und Handlungskompetenzen.» Dazu beitragen würden neue Formen von Abhängigkeiten wie die Gamesucht, die zu ungenügendem Selbstmanagement führten. «Als Christen sind wir Wegweiser und Hoffnungsträger. Die Zukunft unserer Gesellschaft hängt ab von der Art und Weise, wie wir Hoffnung weitergeben.» Wie es in Lukas 4 heisst, seien wir zu den Armen und Zerschlagenen gesandt. Heute seien dies Alleinerziehende, «working poor», bedürftige alte und psychisch kranke Menschen. «Unsere gelebte gegenseitige Liebe und unser Dienst in der Welt macht den Menschen Gott sichtbar.»

Solidarität fördern
Hans Corrodi von der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde las den dritten Teil des Bettags-mandats. «‹Bet mal.› Die Wetziker Kirchen stehen ein für ihre Stadt und die Bewohner. Wir beten für eine Kultur des Lebens und der Gottesfurcht und wehren uns gegen Menschenverachtung. Wir beten für Menschen am Rande der Gesellschaft und arbeiten für eine Umkehr der Gesellschaft hin zu einer Solidarität zwischen Generationen, Parteien und Völkern.»

Fotos und weitere Impressionen